Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Elsen
Orgelkonzert am 07.03.2026
SAT statt 3sat
SAT statt 3sat!
Der Organist und Chorleiter unserer Kirchengemeinde, Thomas Schulze-Athens, zeichnet seine Schreiben und Ausführungen gern mit dem Kürzel „SAT“. So könnte das Motto seines Orgelkonzertes am 7. März 2026 in der Erlöserkirche Elsen „SAT statt 3sat!“ gelautet haben. Während der Kultursender 3sat an diesem Abend Otto Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“ sendete, konnten die Konzertbesucher in Elsen ein außerordentlich abwechslungsreiches wie unterhaltsames Orgelkonzert erleben. Dies war das erste Konzert nach einer „längeren kleinen Pause“, die dadurch bedingt war, dass die Orgel der Erlöserkirche verschmutzt war und gereinigt werden musste. Jetzt erklingt sie aber wieder in gewohnter Fülle und alter Frische.
Auf dem Programm standen Werke von Dietrich Buxtehude und Georg Muffat, beides Komponisten, die ihre Hochzeit um 1700 hatten, sowie spätromantische Werke von Louis-James-Alfred Lefébure-Wely und Joseph Callaerts. Die dargebotenen Werke haben die Komponisten, allesamt auch Organisten, selbst in Gottesdiensten oder in Konzerten gespielt. Auch die eigentlich für den Gottesdienstgebrauch komponierten Orgelwerke eignen sich sehr als Konzertstücke, zumal wenn sie so farbig, stilsicher und ausdrucksstark wie von unserem Organisten gespielt werden.
Vor den dargebotenen Musikstücken gab Thomas Schulze-Athens in gewohnt charmanter und humorvoller Art kleine Einführungen mit wissenswerten Hintergrundinformationen zur Person der Komponisten, ihrem Wirken in ihrer Zeit und zu den vorgetragenen Werken. Dabei wusste er die Besonderheiten der Kompositionen anschaulich zu vermitteln und die Ohren der Konzertbesucher für ein bewusstes und gut orientiertes Hören zu öffnen.
Am Anfang des Konzertes standen zwei Werke des schon zu seiner Zeit berühmten Lübecker Marienkirchenorganisten Dietrich Buxtehude, ein virtuoses Präludium in D-Dur und eine Choralbearbeitung über Luthers Choral „Es ist das Heil uns kommen her“. Während Buxtehude die Choralbearbeitung sicherlich im Gottesdienst gespielt hat, war das Präludium eher für den Konzertbetrieb gedacht. Buxtehude gab, wie die Zuhörer erfahren konnten, regelmäßig Konzerte für musikinteressierte Lübecker Handelsleute, eine für ihn vermutlich recht einträgliche zusätzliche Einnahmequelle.
Es folgte eine Toccata Nr. 11 von Georg Muffat, dem „ersten kosmopolitischen Komponisten des Barockzeitalters“, im Elsass geboren, in Frankreich und Italien ausgebildet und später berufstätig in Ulm, München, Salzburg und Wien. Die Vielzahl der Einflüsse führte zu seinem „vermischten Stil“. Thomas Schulze-Athens entschied sich in seinem Vortrag dabei für den französischen Stil.
Die zweite Konzerthälfte war Werken der Romantik bzw. der Spätromantik gewidmet. Louis-James-Alfred Lefébure-Wely muss wohl eine schillernde Organistenpersönlichkeit gewesen sein, der mit seinem Orgelspiel im Gottesdienst vielfach Aufsehen erregt hat. Der Pariser Erzbischofs hat sogar mit den Worten „So geht das nicht!“ interveniert. Aber Lefébure-Wely ließ sich nicht aufhalten. Als zwei recht gegensätzliche Werke wählte Thomas Schulze-Athens sein Offertoire und sein Sortie. Während Ersteres wunderschöne Melodien enthält, wartet das zweite Werk mit einer Überraschung auf: Inmitten des Werkes ertönte zeitweise deutlich hörbar Kirmesorgelmusik, was die Hörer bei einem ansonsten doch eher ernsten Konzertprogramm auch einmal schmunzeln ließ. Am Schluss des Konzertabends standen ein Marche Funèbre und eine virtuose wie auch virtuos vorgetragene Toccata des nicht ganz so bekannten früheren Titularorganisten der Kathedrale von Antwerpen Joseph Callaerts.
Nach dem Konzert bot sich für Konzertbesucher, die noch etwas länger im Kirchenraum geblieben waren, die Möglichkeit, das Innenleben unserer Orgel durch die Seitenöffnung zu bestaunen. Es ist sehr beeindruckend, was für ein komplexes mechanisches Meisterwerk so eine Orgel ist!
Thomas Schulze-Athens unterstützte mit seinem Konzert die Diakonie-Katastrophenhilfe, die mit ihrem Einsatz den Betroffenen des Krieges in der Ukraine hilft. So war es sehr erfreulich, dass das Konzert sehr gut besucht war und für die Katastrophenhilfe ein sogar vierstelliger Spendenbetrag gesammelt werden konnte. So hat sich das Konzert vielfach gelohnt, finanziell für die Katastrophenhilfe, als ein besonderer Musikgenuss für die Konzertbesucherinnen und Konzertbesucher und ein in jeder Beziehung erfolgreiches Konzert für unseren Organisten. Ihm gebührt ein herzliches Dankeschön für den gelungenen und im besten Sinne unterhaltsamen Konzertabend!