Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Elsen
„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“ (Gal 5,1)
„Frei wie ein Vogel“ heißt es doch. Den Wind unter den Flügeln, alle Himmelsrichtungen stehen offen. Nichts hält mich auf. So wie in dem Bild eines Mannes, der mit einer Harley Davidson durch die Prärie fährt, keine Grenzen erlebt, dafür aber schier ewige Weiten. Das ist das Ideal von Freiheit.
Dieses Bild trifft in meinem Leben aber auf eine Realität, in der ich Verpflichtungen habe. Eine Realität, die mir ganz alltägliche Dinge abverlangt: Arbeit, Terminplanung, meine eigenen Grenzen und die Grenzen der Menschen um mich herum. Ich bin weit entfernt von der idealen Freiheit, schwimme eher in einem Meer von Verantwortlichkeiten.
Vögel müssen auch essen und irgendwo schlafen. Und spätestens wenn ich mir die aktuellen Benzinpreise anschaue, vergeht mir das Motorradfahren sowieso. Das Ideal erscheint wie ein Traum…
Von irgendwas und irgendwem bin ich immer abhängig, für irgendwas oder irgendwen bin ich immer verantwortlich. Wir leben alle in einem Netz von so vielen miteinander verbundenen Leben und Zusammenhängen: Klima, Wohlstand, Respekt vor anderen, Sorge um meine Liebsten – die Liste kann noch lange weiter geführt werden.
Wo ist denn dann die Freiheit? Freiheit ist das Gegenteil von Gefangenschaft, von auferlegter Einschränkung. Ich selbst wähle, wem ich folge, auf wen ich höre, wem ich vertraue. Niemand hat gesagt, dass Verantwortlichkeiten per se schlecht sind. Mein Handeln hat jeweils Konsequenzen. Natürlich! Ich habe aber die Wahl, welchen Weg ich zu welcher Konsequenz einschlage.
Jesu Weg ist es, immer die Liebe in allen Dingen zu suchen und zu bewirken. Es ist erstaunlich, wie viel ich in meinen Verantwortlichkeiten erreichen kann, wenn ich mich um Menschen kümmere, die mich brauchen. Wenn ich meinen Garten zum Erblühen bringe. Wenn ich stets den Weg suche, der ein Gedeihen hervorbringt, Menschen und Systeme stützt und stärkt. Genau dann kann ich in meinen Verantwortlichkeiten Leben und Liebe finden. Dann ermögliche ich mir und anderen wertvolle Momente. Dann schaffe ich Hoffnung, die Aussicht auf eine Zukunft, zarte Halme, die mit weiterer Pflege zu Prächtigem heranwachsen werden.
Die Freiheit Jesu Christi ist kein Entledigen aller Einschränkungen. Die Freiheit eines Christenmenschen ist vielmehr die Akzeptanz meiner Einschränkungen, und dadurch ein Wachsen über sie hinaus. Ich schaffe Leben und Liebe, indem ich meiner Verantwortung gerecht werde. Ich schaffe selbst Leben, wenn ich dem Weg des Schöpfers folge.
Wenn ich also einen Weg wählen kann, wenn ich diese Freiheit habe, möchte ich den Weg wählen, der mir und allem um mich herum das Leben bringt.
Die Freiheit, von der Paulus schreibt, ist die Freiheit, sich für Leben und Liebe zu entscheiden, für die Schöpfung und den Schöpfer, in dessen Fußstapfen ich trete. Diesen Weg will ich gehen, und keinen anderen.
Herzliche Grüße!
Ihr und euer Pfarrer
Felix Klemme