Evang.-Luth. Kirchengemeinde Elsen

Alte Choräle neu erlebt

„Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang.“ Mit diesem Satz Martin Luthers eröffnete unser junger Organist Matthias Schulze den Nachmittag des 25. Mai in unserer Erlöserkirche. Für die zahlreichen Gäste begann damit eine sehr kurzweilige und mitreißende Veranstaltung. Nach der sehr nüchternen Überschrift in der Zeitung „Publikum kann Choräle mitsingen“ konnte das niemand erwarten. Treffender war der Titel „Alte Choräle neu erlebt“. Wie vier junge Leute von der Musikhochschule Detmold uns viele vertraute Choräle aus unserem Gesangbuch erleben ließen, begeisterte alle Anwesenden: Ein Choral aus dem 1 6. Jahrhundert ließ sich wunderbar mit einem Lied aus dem 20. gleichzeitig singen (EG 578 und 243). „Vertraut den neuen Wegen“ war der nächste Choral. Wir vertrauten unserem Organisten und stellten fest, dass sich der Choral auch auf andere Melodien aus unserem Gesangbuch singen läßt. „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ wird jeden Sonntag im Gottesdienst gesungen. Nur wird dort niemand sein Gesangbuch auf den Kopf stellen und den Choral von hinten singen wollen. Das geht aber gut und klingt sehr schön zusammen mit dem Choral in herkömmlicherWeise.
Verschiedene Morgen- und Abendlieder lassen sich ebenfalls gut kombinieren. Versuchen Sie es einmal mit den Nummern 437 und 456 oder 482 und 483 unseres Gesangbuches. Es ließen sich noch viele Beispiele anführen aus dem abwechslungsreichen Programm, durch das die angehenden Kirchenmusiker mit viel Schwung und großer Sachkenntnis souverän führten. Das Weihnachtslied „Gelobet seist Du, Jesus Christ“ stellte das Publikum vor eine große Herausforderung: Es sollte im Kanon zu zehn Stimmen gesungen werden. Die Wirkung war enorm und verblüffend, denn der Gesang ähnelte in erstaunlicherWeise dem Klang von Glockengeläut.
Zum Abschluss des Nachmittags gab es eine kleine Reise durch unser Gesangbuch. „Rush hour“ nannte es Pfarrer Klaus Danzeglocke, Dozent für Liturgie und Hymnologie in Detmold, unter dessen Ägide die jungen Akteure wirkten. Auf die Melodie von „Geh aus, mein Herz und suche Freud“ sangen wir neun Strophen, von denen jede Verszeile den Beginn eines der vielen Choräle unseres Gesangbuches bildete.
Auf unsere heutige Zeit übersetzt könnte Luthers Spruch über Wein, Weib und Gesang nach Matthias Schulzes Worten „Sex, drugs and rock’n roll“ lauten. Wie eine Droge wirkte die Beschäftigung mit den Chorälen ganz gewiss und ließ sie uns wirklich neu erleben. Mit so erfrischenden Methoden und von ihrer Aufgabe erfüllten jungen Musiker und Musikerinnen braucht man sich keine Sorgen zu machen, die Kirchenmusik könnte Staub ansetzen und langweilig werden. Lang anhaltender Beifall drückte die Begeisterung und den Dank für diese Zeit mit schöner Musik aus, die die vier jungen Leute  mit so viel Können und ansteckender Freude ihrem Publikum beschert hatten. Beschwingt durch die Musik machten sich alle auf den Heimweg.

Hier das Textblatt zur Melodie von „Geh aus mein Herz“:

1 . Geh aus mein Herz und suche Freud,
     Es ist gewisslich an derZeit,
     Der Mond ist aufgegangen.
     Wach auf, wach auf, du deutsches Land!
     Ich steh in meines Herren Hand.
     So nimm denn meine Hände,
     Herr Christ, dich zu uns wende!

2. In Gottes Namen fang ich an,
     Was Gott tut, das ist wohlgetan,
     Er weckt mich alle Morgen.
     Ich heb mein Augen sehnlich auf,
     O Heiland, reiß die Himmel auf!
     Die Nacht ist vorgedrungen,
     Es ist ein Ros entsprungen.

3. Nun aufwärts froh den Blick gewandt,
     Ja, Herr, wir stehen Hand in Hand,
     Freut euch, ihr Christen alle!
     O Lebensbrünnlein tief und groß,
     O Mensch, bewein dein Sünde groß!
     Wir pflügen und wir streuen,
     Wie lieblich ist der Maien.

4. Kommt her des Königs Aufgebot!
     Ein feste Burg ist unser Gott.
     Komm, sag es allen weiter!
     O gläubig Herz, gebenedei,
     Gott Lob, der Sonntag kommt herbei,
     Fröhlich soll mein Herze springen,
     Lob Gott getrost mit Singen.

5. Ich singe dir mit Herz und Mund
     Und sag: Aus meines Herzensgrund,
     Die Ernt’ ist nun zu Ende.
     Steht auf, ihr lieben Kinderlein,
     Hinunter ist der Sonne Schein,
     Ermuntert euch, ihr Frommen,
     denn sieh: Die Nacht ist kommen!

 

6. Nun saget Dank und lobt den Herrn,
     Wie schön leuchtet der Morgenstern,
     In allen meinen Taten.
     Mach’s mit mir Gott, nach deiner Güt’
     Und: Werde munter, mein Gemüt!
     Der Tag ist nun vergangen.
     Wie soll ich dich empfangen?

7. O BethIehem, du kleine Stadt,
     Nun sich der Tag geendet hat,
     Kommt, Kinder, lasst uns gehen!
     Ich liege, Herr, in deiner Hut,
     Herr Jesu Christ, du höchstes Gut,
     Ich freu’ mich in dem Herren.
     Nun lob, mein Seel’ , den Herren.

8. Dies ist der Tag, den Gott gemacht,
     Bis hierher hat mich Gott gebracht,
     Mit Ernst, o Menschenkinder.
     Ich möcht’ , dass einer mit mir geht,
     Bevor des Tages Licht vergeht,
     Im schönsten Wiesengrunde,
     Zu dieser Morgenstunde.

9. Vom Himmel hoch, da komm ich her,
     Ich wollt, dass ich daheime wär,
     Nun lasst.uns gehn und treten,
     Such, wer da will, ein ander Ziel,
     Allzeit gescheh, was mein Gott will,
     Ach, bleib mit deinem Segen,
     Vertraut den. neuen Wegen!