Evang.-Luth. Kirchengemeinde Elsen

Vertrauen macht ruhiger

Sie sind zurück nach Hause gekommen. Die 100.000, die beim Ev. Kirchentag in Dortmund waren. Mitten in einer Großstadt, mit Gottesdiensten auch im Stadion. Sie sind wieder daheim, die Gläubigen, und möchten jetzt das leben, was sie in Dortmund gehört haben. Die Erfahrungen, die sie miteinander und mit ihrem Glauben gemacht haben. Und vor allem möchten sie diesen einen beeindruckenden Satz leben: „Was für ein Vertrauen“.
Das war die Überschrift über dem Kirchentag, ein Satz aus der Bibel. Die vier Worte sind aus dem 2. Buch der Könige im Alten Testament. Könige spielen in der Glaubensgeschichte des Judentums eine oft zwielichtige Rolle. Als Despoten oder regelrechte Mafiabosse. Der König Hiskia, vom dem hier die Rede ist, ist aber eine Ausnahme. In den politischen Auseinandersetzungen etwa um 700 vor Christus vertraut er voll und ganz auf Gott und beeindruckt sogar den assyrischen König Sanherib, der mit seinem riesigen Heer bereit steht, Jerusalem zu erobern. In Verhandlungen vor der Belagerung der Stadt treffen sich Gesandte beider Länder. Der assyrische Gesandte sagt da zu seinem Verhandlungspartner aus Jerusalem: „Was für ein Vertrauen, das dein König Hiskia hat!“ Und sein Vertrauen bekommt Recht. Noch bevor die Belagerung beginnt, zieht das riesige Heer der Assyrer wieder ab.
Nicht immer bekommt Vertrauen Recht, das ist wahr. Manche üben sich in einem gesunden Misstrauen, wie sie das nennen. Manchmal muss das wohl so sein; und es mag auch sein, dass einem das dann hilft und vor Enttäuschung schützt.
Ohne Vertrauen wäre die Welt aber auch eine andere. Oft müssen wir ja einfach vertrauen, wir haben gar keine andere Wahl: dem Busfahrer, der Ärztin, den Verkäufern und denen, die unsere Lebensmittel herstellen. Da müssen wir vertrauen und tun es oft selbstverständlich.
Wo kämen wir wohl hin, wenn überall nur noch Misstrauen herrschen würde?
Vertrauen ist lebensnotwenig, Gottvertrauen auch. Es gibt Menschen, die müssen nie zweifeln und sich kaum sorgen, sie fühlen sich immer gut. Es gibt aber auch Menschen, die haben ihre Sorgen und Zweifel.
Wie die Frau, die selbst längere Zeit krank war. Zudem sorgte sie sich um Kinder und Enkel. Oft konnte sie nichts mehr tun. Außer einem. Sie stellte sich dann manchmal vor, so hat sie erzählt, dass sie ihre Sorgen wie zu einem Knäuel zusammendrückt und sie Gott in die Hände legt. Ich kann nichts mehr tun, Gott, sagte sie dann, nimm du dich der Dinge an.
So geht Vertrauen: Tun, was möglich ist – und was nicht möglich ist, in Gottes Hände legen; ihm die Sorgen und das Unlösbare anbefehlen. Gottes Hände sind sehr groß. Menschen vertrauen, dass Gottes Hände es wohl machen. Erst einmal ändert sich dadurch nichts. Aber wir finden etwas „Ruhe für unsere Seelen“ (Matthäus 11,29). Und Ruhe macht manches leichter.
 
                                                                Ihr Pfarrer Felix Klemme