Evang.-Luth. Kirchengemeinde Elsen

Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! (Jes 58,7)

Immer wieder wird man im christ­li­chen Kontext mit der Forderung kon­frontiert, sich um andere zu kümmern. Und das ist auch gut so. Denn Liebe ist die Grundlage für christliche Ge­mein­schaft. Wir sollen uns einander die Liebe zukommen lassen, die wir selbst benötigen, selbst erhalten möch­ten. „Alles, von dem ihr wollt, dass man es euch auch tut, das tut dem anderen.“ Jesu Worte. Deshalb hört man dann in den Medien die „Mahnungen“ von Papst und EKD-Ratsvorsitzenden, die sich besorgt zeigen und zu Solidarität und Mithilfe aufrufen, gerade in der Advents- und Weihnachtszeit.
Ich bin jetzt aber mal etwas spitzfindig. Ich stelle einfach mal die Frage: Was kann ich denn eigentlich tun? Das Elend der Welt ist oftmals weit entfernt. An den Außengrenzen der EU, im Jemen oder in Syrien. Für diese Menschen haben wir Hilfe institutionalisiert. Mit Ärzte ohne Gren­zen, Brot für die Welt und weite­ren Hilfsorganisationen. Denen kann ich durch Spenden helfen. Klar, ich komme da ja nicht einfach so hin. Im Moment erst recht nicht. Da hilft eine Überweisung natürlich. Aber Liebes­dienst fühlt sich doch irgendwie noch anders an. So ohne Kontakt kommt da ja nichts zurück. Moment – wenn ich etwas zurück bekomme, dann bin ich ja gar nicht mehr der allein Gebende.
Und damit kommen wir in unser eigenes Dorf. Elsen oder Scharmede. Es ist ja nicht so, als bräuchten Menschen hier niemals die Hilfe von jemand anderem. Klar, niemand liegt nackt und ohne zu Hause auf der von-Ketteler Straße herum. Aber es gibt doch genug Leute mit Bedürfnissen: Die Flüchtlingen im Container. Die alleinerziehenden Eltern, die sich mal für drei Stunden eine unkomplizierte Betreuung ihrer Kinder wünschen. Und es gibt hier auch mich selbst. Ich bin auch hungrig. Nicht nach Brot; nach Liebe, nach Zusammensein: nach dir und dir und dir. Ich will geben und bekommen. So wie alle anderen auch. Jeder und jede kann etwas gebrauchen und etwas geben.
Ich möchte den Spieß mal drehen,  möchte nicht mehr fragen: Was kann ich geben und tun? Ich wünsche mir eine Dynamik: Du kannst dies, ich kann das und wir tauschen uns aus. Dafür müssen wir zusammen kommen. Dann wird es christlich. Lasst uns aus unserer Gemeinde einen Ort machen, an dem es selbstver­ständlich ist, dass sich Menschen mit ihren Talenten austauschen, an dem sie zusammenkommen und reicher wieder gehen. So möchte ich gern denken. Dann kriegt der Hungrige sein Brot, der Nackte seine Kleidung und jeder, was er braucht.
     Euer Pfarrer
            Felix Klemme